Christen pro Köln ist einer von mehreren Arbeitskreisen der Bürgerbewegung pro Köln,
der seine politischen Inhalte und Ziele auf dieser Internetseite vorstellt und diese im
Gesamtverband in den innerparteilichen Diskussionsprozeß einbringt.

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19. Januar 2009:

Offener Brief an Gabriele Behr, Vorsitzende des Kreiskatholikenrates für den Rheinisch-Bergischen Kreis

Sehr geehrte Frau Behr,

am 9.1.2009 haben Sie Ihr Amt zu einer Wahlkampfrede mißbraucht. Bei einer Ansprache zum Neujahrsempfang der Katholischen Kirche in Overath wiesen Sie auf einen Flyer des Kreiskatholikenrates hin und sagten wörtlich. „Bitte helfen Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten mit, dass der Inhalt des Flyers im Wahljahr 2009 möglichst vielen Menschen, vor allem den Jugendlichen zugänglich gemacht wird“.

Hintergrund der Aktion ist, daß Herr Dr. Christoph Heger, der als Mensch und Christ völlig integer ist, Ansprechparter im Rheinisch-Bergischen Kreisgebiet für die Bürgerbewegung pro NRW ist und neben anderen Kandidaten bei der Kommunalwahl antritt.

In einem Geleitwort des KKR-Geschäftsführers und Medienverantwortlichen Wolfgang Drötboom zum Flyer heißt es dann auch ganz deutlich: „Da laut Medienberichten Pro-NRW auch bei uns einen Kreisverband gegründet hat und beabsichtigt, bei der Kreistags- und den Kommunalwahl in vielen Kommunen Kandidaten aufzustellen, halten wir es als Katholische Kirche für erforderlich, rechtzeitig Flagge zu zeigen“ (Original-Rechtschreibung)

Weiter appellieren Sie „an die Gemeinden, kirchlichen Einrichtungen und die Verbände“ zu verstärktem Engagement in demokratischen Prozessen und bitten sie gleichzeitig, „sich gegen rechtsextremistische Partien zu engagieren“.

Niemand hat festgestellt, daß pro NRW eine rechtsextremistische Partei sei. Sind Sie es, oder der Verfassungsschutz oder das Innenministerium, die darüber zu befinden haben, ob etwas grundgesetzgetreu ist, oder ist das vielleicht doch das Bundesverfassungsgericht?

Ihr Vorgehen macht uns betroffen. Die Katholische Kirche kann nicht unser Gegner sein, aber offensichtlich machte der „Marsch durch die Institutionen“ der 68er und der Linksextremen auch vor der katholischen Kirche nicht halt. Diese Erfahrung ist nicht ganz neu, wenn man an das Auftreten von Frau Bartscherer, Vorsitzende des Katholikenausschusses Köln, denkt, die im Schulterschluss mit linken und linksextremen Organisationen steht.

Man muss pro Köln nicht lieben, man kann völlig anderer Meinung sein, das ist in einer demokratischen Gesellschaft voll akzeptabel. Gerade die erlaubte Meinungsvielfalt und nicht eine vorgeschriebene Einheitsmeinung macht das Wesen einer Demokratie aus. Es macht uns traurig, wie in dem Flyer gelogen wird durch falsche Behauptungen und Verschweigen und wie dort politische Grundrechte mit Füßen getreten werden. Wenn der politische Gegner das in einer undemokratischen Weise praktiziert, ist das halbwegs verständlich. Aber doch nicht von der katholischen Kirche, die sich auf ihre Fahnen geschrieben hat „Du sollst Deinen Nächsten lieben“ - wozu offenbar für Sie jeder noch so verfassungsfeindliche ausländische Extremist gehört, nicht aber eine grundgesetztreue politische Opposition.

Dennoch glauben und hoffen wir immer noch, daß zumindest unter uns Christen eine Verständigung auf kleinstem gemeinsamen Nenner möglich ist: Nämlich die Achtung vor dem anderen, auch dem fremden Menschen, vor seiner Individualität und seiner Einzigartigkeit. Wenn Gott Mensch geworden ist, dann ist dies eine Botschaft, die alle Menschen zu Ebenbildern Gottes gemacht hat und damit jedem Menschen Würde verleiht, so daß der grundgesetzliche Schutz der Würde des Menschen, auch des andersgearteten, für den Christen verinnerlicht sein sollte.

Doch jetzt zu dem Flyer: Er enthält eine Aussage Jesu, die als solche für uns Christen gelten soll: „Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst“, die aber nicht bedeutet, daß in unserer Welt nicht mehr differenziert werden darf, denn das wäre praktisch nicht möglich.

Sodann wird eine Gruppe stigmatisiert, nämlich die Pro-Bewegung, das sind also die Bösen. Und das ganze wird dann untermauert mit Einbeziehung zahlreicher katholischer Laienverbände, so daß suggeriert wird, daß die vertretene Meinung die aller Guten sei, und es sollen verstärkt Jugendliche angesprochen werden, weil diese eben leichter zu beeinflussen sind.

Der Flyer enthält einen allgemeinen Teil und 6 besondere Punkte.

Im allgemeinen Teil wird auf den Anti-Islamisierungskongreß vom 20.9.2008 eingegangen, der als Beweis für die Demokratiefeindlichkeit von pro Köln angeführt wird, und es wird der Vorwurf gemacht, daß pro Köln die multikulturelle Gesellschaft kritisiert. Der Katholikenrat reiht sich damit nahtlos ein in die diffamierende und diskriminierende Stimmungsmache gegen die Pro-Bewegungen. Das Besondere und das sehr Betrübliche daran ist, daß diese Polemik von linken Katholiken kommt. In der Tat leiten wir aus der Achtung der Individualität des Nächsten nicht die Notwendigkeit des „Multikulti“ ab. Warum sollte nicht, bei gegenseitiger Achtung, die Individualität und Eigenart des einzelnen und einer Gemeinschaft bestehen bleiben? „Multikulti“ ist seit etwa 1970 allzu oft der Versuch, Werte, Traditionen und Überzeugungen aufzumischen mit dem Ziel, eine farblose und willenslose und nicht mehr christliche Gesellschaft zu formieren, hinter dem eben nicht die Liebe zum Menschen steht, sondern die Zerstörung konservativer Werte in Richtung auf die sozialistische Einheits-Gesellschaft.

Der Nächste ist sicherlich auch der Migrant, aber mehr noch derjenige, der in existenzieller Not ist. Und der lebt selten hier, oft aber weitab in ausländischen Staaten. Warum setzt dort nicht ihr Mitleid an? Hilfe für Menschen, die sich eine Übersiedlung in unsere Sozialsysteme nicht leisten können, läßt sich nicht so gut vermarkten wie Kirchenasyl. Sie wollen dem Menschen dienen, aber Sie dienen einer sozialistischen Ideologie. Es ist geradezu ungeheuerlich, wie die Grundrechte bei dem Anti-Islamisierungs-Kongress von Polizei, Medien und Politik mit Füßen getreten wurden und wie Sie den Kongreßverlauf darstellen. Nach einer Welle des bewußt geschürten Hasses und der Verleumdungen wurden Linke und Linksextremisten nach Köln herangekarrt, davon ein Teil gewaltbereit, und so wurden Zustände herbeigeführt, die zum Verbot des Kongresses führen sollten. Wir haben absolut kein Verständnis für diese Pogromstimmung, die selbst vor Sachbeschädigung und körperlicher Gewalt nicht Halt machte. Versammlungsfreiheit, Meinungsfreiheit, usw. ade! Am 20. September 2008 wurde in Köln die Demokratie beerdigt, und was hier nachweisbar geschah, war die Anwendung schlimmster Stasi-Methoden. Ich kann nur zu Ihrem Gunsten annehmen, daß Ihnen die dokumentierten Vorgänge in Köln während des Kongresses nicht bekannt sind.

Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit pro Köln fand und findet auch in Ihrem Flyer nicht statt. Das würde auch nicht zu Ihrer Politik der selbstgefälligen Ausgrenzung passen, unter dem Tenor „Liebe Deinen Nächsten!“ Eine Diskussion mit uns kann gern jederzeit stattfinden, sie ist aber von Ihnen nicht gewünscht, weil Sie in den Tenor der Diskriminierung, Stigmatisierung und Ausgrenzung einstimmen. Liebe Deinen Nächsten?

Nun zu Ihren einzelnen Punkten im Flyer:

Der Punkt 1 enthält ungeheuerliche Lügen und Unterstellungen. Dies gilt für die Behauptung, daß „nachgewiesenermaßen“ pro Köln im Netzwerk rechtsextremer Gruppierungen wurzele und Versuche zu Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus schüre. Bitte erbringen Sie den Beweis für Ihre Unterstellungen, führen Sie nur eine einzige antisemitische Äußerung oder Aktivität an. Wenn Sie das nicht können, sollten Sie sich für Ihre Lügen entschuldigen und Ihre Flyer einstampfen.

Im Punkt 2 sprechen Sie von der Hochachtung für Muslime, aber womit verteidigen Sie das christliche Abendland? Sind Ihnen die weltweiten Christenverfolgungen nicht bekannt? Vor dem Irak-Krieg gab es 13% Christen im Irak, heute noch 3%. Haben Sie jemals den Koran studiert? Schlimmer als eine ausgesprochene Lüge ist das Verschweigen der Wahrheit. Denn eine ausgesprochene Lüge kann man durchschauen, während man von der Existenz einer verschwiegenen katastrophalen Wahrheit nichts weiß. Europäische Medien scheuen das Thema Christenverfolgung anzusprechen, denn es darf bloß keine anti-islamische Stimmung erweckt werden. Das entspricht nicht der Political Correctness. Stattdessen beteiligen Sie sich am Kampf gegen rechts, der längst der Mitte gilt. Jesus sagt: „Die Wahrheit wird Euch frei machen!“

Im Punkt 3 („ Der Kreiskatholikenrat, der Caritasverband ... sprechen sich entschieden für das Grundrecht der Muslime aus, in unserem Land Moscheen bauen zu können“) verwechseln Sie zweierlei: Das Grundrecht der Religionsausübung gilt selbstverständlich auch für Muslime. Zur Religionsausübung gehört auch der Ort, die Moschee. Aber wir sagen (u.a.mit Ralph Giordano), dass es kein Grundrecht für den Bau von Großmoscheen gibt. Großmoscheen sind weniger Gotteshäuser, sondern vor allem islamische Zentren, die eine politische Botschaft in sich tragen und die Gegengesellschaft stärken. In Köln gibt es sehr viele Moscheen, die Zahlen schwanken zwischen 45 und 80.

Haben Sie sich nie gefragt, warum so viele Moscheen in Deutschland nach islamischen Eroberern benannt sind? Ist Ihnen das überhaupt bekannt?

Haben Sie sich nie gefragt, warum der türkische Ministerpräsident Erdogan den Dichter Ziya Gökalp zitierte mit den Worten:

„Die Moscheen sind unsere Kasernen - die Kuppeln unsere Helme - die Minarette unsere Bajonette - und die Gläubigen unsere Soldaten“?

In Punkt 4 stellen Sie in aller Deutlichkeit fest: „Integration beinhaltet das klare und vorbehaltlose Bekenntnis zu den Grundwerten der westeuropäischen Verfassungen.“ Es droht jedoch immer mehr der Abbau christlicher Werte in diesen Verfassungen. Warum kämpfen Sie nicht für diese Werte? Wir lehnen einen Pazifismus als unchristlich ab, der keine verteidigungswürdigen Werte mehr kennt und dem eines gleich viel wie das andere gilt. Eine so begründete Art von „Friedfertigkeit“ bedeutet in Wirklichkeit Anarchie, in der die Grundlagen der Freiheit verloren sind.

Punkt 5 ist uns unverständlich: „Die muslimische Minderheit in Deutschland sieht sich vor die Aufgabe gestellt, eine eigenständige muslimische Identität auszubilden“. Das ist richtig, aber darin liegt doch das Problem.

Das Bibelwort in Punkt 6 „ Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst“, ist in diesem Zusammenhang heuchlerisch. Sind Ihnen die Überfälle der auch von Ihnen aufgehetzten Menschen gegen pro Köln-Mitglieder nicht bekannt, die sich in Gewalt gegen Personen und Sachen zeigen, die sich in der bewußten Ausgrenzung und Diffamierung äußern bis hin zur Vernichtung der wirtschaftlichen Existenz? Schließt Ihre Nächstenliebe nach Ihrem Belieben bestimmte Personen ein oder aus?

Der Kreiskirchenrat ist sich mit seinem Pamphlet der Zustimmung von Lokalpolitik, Medien und Gewerkschaften sicher. Denn er ist beeinflußt durch das Bündnis mit der linken Allianz auf dem Boden der Political Correctness.

Dazu ein Wort unseres Heiligen Vaters Papst Benedikt XVI:

Die Political Correctness, auf deren allgegenwärtigen Druck Sie hinweisen, will die Herrschaft einer allein gültigen Weise des Denkens und des Sprechens aufrichten. Ihr Relativismus erhebt sie scheinbar über alle die großen Einsichten des bisherigen Denkens; nur so darf man noch denken und reden, wenn man auf der Höhe der Gegenwart sein will. Während man das Stehen zu den überlieferten Werten und den sie tragenden Erkenntnissen als intolerant brandmarkt, wird der relativistische Standard zur Pflicht erhoben. Es erscheint mir sehr wichtig, diesem Zwang einer neuen Pseudo-Aufklärung entgegenzutreten, der die Freiheit des Denkens und auch der Religion bedroht. Daß in Schweden ein Prediger, der die biblische Lehre zur Frage der Homosexualität ohne Wenn und Aber vorgetragen hatte, zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, ist nur eines der Zeichen dafür, daß der Relativismus sich als eine Art neuer „Konfession“ zu etablieren beginnt, die den religiösen Überzeugungen ihre Grenzen zieht und sie alle dem Über-Dogma des Relativismus zu unterwerfen sucht.

aus: Joseph Ratzinger, Marcello Pera, Ohne Wurzeln: Der Relativismus und die Krise der europäischen Kultur

Fühlen Sie sich, sehr geehrte Frau Behr, in diesem Sinne noch katholisch oder opfern Sie nicht doch eher auf dem Altar des Zeitgeistes?

Dr. Gerhard Wilden
für Christen pro Köln

Die Wahrheit wird Euch frei machen - nicht die political correctness